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Der aus dem Schwarzwald kam
Filmpremiere



Film von Rainer Mülbert über Georg Thoma

Der eine ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Naturtalent, der andere ein Multitalent.
Beide sind Schwarzwälder, beide lieben den Schwarzwald und das Skifahren.
Rainer Mülbert, das ist der eine, hat über den Anderen einen sehenswerten Film gedreht:
"Der aus dem Schwarzwald kam" heißt er und Georg Thoma ist der Titelheld.

Morgen, Sonntag, feiert der Streifen um 18 Uhr Premiere auf großer Leinwand im Neuen Wiehrebahnhof - natürlich sind die beiden Freunde, der einstige Olympiasieger und Skiheld aus Hinterzarten und der Filmemacher, mit von der Partie. Entstanden ist das 30-Minuten-Porträt vergangenes Jahr zu "Jörgli" Thomas’ 70. Geburtstag. Dessen Lebensgeschichte füllt die halbe Filmstunde mühelos: Vom Hütejungen, Holzarbeiter und Briefträger aus dem Schwarzwald ist er 1960 in Squaw Valley in der amerikanischen Sierra Nevada zum Goldmedaillensieger bei Olympia aufgestiegen. Als erster Mitteleuropäer überhaupt gewann er die Nordische Kombination — später siegte er auch als erster Nicht-Norweger in dieser Königsdisziplin am Holmenkollen bei Oslo, gleich drei Mal hintereinander.

"Jörgli" Thoma ist eine Legende und dennoch uneitel und authentisch geblieben, das zeigt der Film in wunderbaren Bildern. "Woher nimmt dieser Mensch seine Kraft?" Das war die Frage, sagt Filmemacher Rainer Mülbert, die er sich gestellt habe. Und er wiederholt die Antwort, wie sie auch Thoma selbst im Film gibt: "Aus der Natur — er geht jeden Tag raus, daher kommt seine physische und psychische Stärke" . 

Der einstige Olympiasieger sei ein glaubhafter Mensch geblieben, einer der zum Vorbild taugt, sagt Mülbert. "Er ist für mich der Vertreter dieser Landschaft, der Aborigine vom Schwarzwald". Der Film zeigt Thoma beim Wandern und bei Mountainbikerennen, beim 100-Kilometer-Rucksacklauf (für den er heute noch die Bestzeit hält), beim Forellenfangen aus dem Schwarzwaldbach mit der bloßen Hand. Die Kamera begleitet ihn beim Skiwandern auf Langlaufski quer durchs Unterholz und beim Pilzesuchen. Das Thoma-Porträt ist auch ein Schwarzwald- und Heimatfilm: Wenn etwa der Helikopter über Hinterwaldkopf oder Stübenwasen fliegt; wenn er eine atemberaubende weiße Winterlandschaft einfängt, in die Georg Thoma seine tiefen Spuren in den Schnee zieht. 

Für Mülbert ist der Schwarzwald ein Refugium: "Er ist unser Wellness-Gebiet — mehr als jeder Badetempel und jeder Whirlpool" . Auch Rainer Mülbert, Jahrgang 1941, ist ein Kind dieser Gegend: Aufgewachsen in Muggenbrunn bei Todtnau stand er mit zwei Jahren zum ersten Mal auf Skiern. Als Sohn des, wie er sagt, "armen Dorfschullehrers" ging er nach der einklassigen Volksschule herunter nach Freiburg aufs Keplergymnasium. Später studierte er an der Pädagogischen Hochschule, wurde Lehrer. Er war in seiner Jugend Schwarzwälder Skimeister und spielte auch in Handball-Auswahlmannschaften. Georg Thoma kennt und bewundert er schon lange. Schließlich ist Thoma einst als Olympiasieger bei den Schwarzwälder Ski-Bezirksmeisterschaften mitgefahren, nur so mal zum Spaß.

Der Lehrer Mülbert unterrichtete an der Karlsschule in Freiburg, elf Jahre blieb er im Schuldienst, war Fachberater für Sport, neun Jahre Beamter und sollte Konrektor werden. Aber er lehnte dankend ab: "Ein Schreibtisch — das ist nichts für mich" , dachte er sich und wechselte in die Gastronomie. Einst hatte er schon als junger Mann den ersten Kiosk samt Schneebar im Schwarzwald am Fuße einer Skipiste betrieben. Nun übernahm er in Freiburg das "Deutsche Haus" in der Schusterstraße, sein einstiges Lieblingslokal als Schüler. Im "Deutschen Haus" hat er übrigens auch den Schauspieler Christian Brückner kennen gelernt, der damals in Freiburg am Wallgrabentheater spielte. Heute nennt man ihn "The Voice" — die Stimme. Brückner gilt nämlich als der berühmteste Synchronsprecher in Deutschland. 

Und diese alte Wirtshaus-Bekanntschaft ist auch der Grund, dass nun im Georg-Thoma-Film neben dem Porträtierten auch die unverwechselbare deutsche Stimme von Robert de Niro zu hören ist. Rainer Mülbert führte nicht nur das "Deutsche Haus" , sondern lange Jahre auch den "Stahl" in der Kartäuserstraße und bis heute die Gaststätte "Wiehrebahnhof" . Dessen Halle wird nun zum Premierenkino. Denn der Ex-Lehrer und Gastronom dreht auch Filme: 1995 entstand Mülberts Erstlingswerk "Faszination Skilaufen" für den Schwarzwälder Skiverband und dann vor drei Jahren "Das Gleiten von Holz auf Schnee" , der offizielle Film zum 100. Geburtstag des Deutschen Skiverbandes.

Für seinen alten Freund und Skilaufkollegen Hubert Burda organisierte er jüngst die Sanierung eines Burda’schen Anwesens in Menzenschwand, in dem nun Peter Sloterdijk sein neues Buch schreiben wird. 

Verleger Burda hat auch einen kleinen Auftritt im Film, wie er im Skimuseum bei einem Glas Gutedel zünftig vespert — mit Georg Thoma, zu dem Burda sagt, was viele sagen könnten :

"Sie sind das Sportidol meiner Jugend" .

Der aus dem Schwarzwald kam:
Filmpremiere und Gespräch mit Georg Thoma am Sonntag,
18 Uhr, Neuer Wiehrebahnhof,
Türkenlouisstraße 20. Eintritt 10 Euro.

Quelle:

rö, 11.10.2008, BZ