Dr. Fredy Stober
SVS Ehrenpräsident         2004 in Schneegestöber

Kurz nach ihrem 90. Geburtstag hat die erfolgreichste alpine Skiläuferin der Skigeschichte
diesen Planeten verlassen.

Christel war nicht nur eine große Persönlichkeit, sie war auch – bei aller Bescheidenheit –
eine selbstbewusste und disziplinierte Frau.

Ein langes Skiläuferleben sind wir gemeinsam gegangen. Als Christel 1928 mit ihrer Mutter und ihren Brüdern,
Rudi und Harro, als 14-jährige von Interlaken/Grindelwald im Berner Oberland nach Freiburg übersiedelte,
hatte die durch Trennung vaterlos gewordene Familie wirtschaftlich schwierige Zeiten vor sich. Zielbewusst und zäh verfolgte die ganze Familie ihre Ziele.
Die drei Kinder bestanden mühelos das Abitur und Christel qualifizierte sich 1941 mit dem Assessor-Examen für das höhere Lehramt.
.Doch das Skilaufen kam in diesen Schul- und Studienjahren nicht zu kurz.
Die hervorragende technische Grundausbildung für den alpinen Skilauf, welche die Geschwister aus dem Berner Oberland mitgebracht hatten
 – sie lebten im Winter in einem Chalet in Grindelwald -
war das Fundament für eine einmalige sportliche
Laufbahn.

Von 1931 – 1941
gewann Christel viele nationale und internationale Rennen. Sie wurde österreichische,
schweizerische, französische Meisterin
und war achtmal in Folge deutsche Meisterin in der alpinen Kombination.  
1936 wurde sie die erste Olympiasiegerin der Damen in Garmisch Partenkirchen.
Der folgende Winter – 1937 – war ihr "Jahr der Siege"!
Sie gewann alle Rennen, bei welchen sie startete,
darunter die alpinen Deutschen Meisterschaften in Rottach-Egern, für Sie eine besondere Freude,
denn sie stand mit ihrem neunzehnjährigen Bruder Rudi auf dem Siegertreppchen.
Die beiden waren schon seit ihrer Kindheit eine verschworene Trainingsgemeinschaft.

Von 1934 – 1939
gewann Christel bei Weltmeisterschaften vierzehnmal Gold und dreimal Silber in den Disziplinen Kombination, Abfahrt und Slalom (Torlauf). 

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Mit 27 Jahren beendet sie 1941 ihre sportliche Laufbahn,

dem Jahr, in welchem ihr 23 jähriger Bruder Rudi als Gebirgsjäger den Soldatentod in Polen erlitt.  
Schon 1936 hatte Christel Cranz das Sportlehrerexamen an der deutschen Hochschule für Leibesübungen in Berlin bestanden.  
Während eines Fronturlaubes heiratete sie den Ritterkreuz Jagdflieger Adolf Borchers, mit welchem sie
1950, nach dessen Rückkehr aus russischer Gefangenschaft,
das Skiheim mit Kinderskischule in Steibis/Allgäu baute.
Ihre mit Disziplin und ausgeprägtem Familiensinn aufgewachsenen drei Kindern
hatten ein harmonisches Familienleben.  
Die Anerkennung als Berufsskilehrerin gab es in Deutschland,
im Gegensatz zu Österreich und der Schweiz,
zu dieser Zeit noch nicht. Das fehlende Diplom verhinderte 1947 ihre Leitung einer Skischule. Mit Hilfe des schweizer- und österreichischen Berufsskischullehrerverbandes,
wo es längst dieses Diplom gab, konnte sie 1948 in Oberstdorf die Prüfung vor dem bayrischen Sportlehrerverband mit "sehr gut" ablegen und wurde die erste deutsche Berufsskilehrerin.  
Ihr Kinder-Skisportheim – Skischule Christel Cranz in Steibis gehörte bald zu den f
ührenden Skischulen Deutschlands.
 
1960 wurde Christel Cranz, die das Bergdorf Steibis bei Oberstaufen mit ihrem Namen
und ihrer Tätigkeit weit über die deutschen Grenzen bekannt gemacht hatte, Ehrenbürgerin von Steibis.
Die Schmach und die Schande, die Entnazifizierungsausschüsse im Schwarzwald ihr angetan hatten –
sie war sogar vorübergehend in Haft, ohne Parteimitglied gewesen zu sein -
fand hiermit eine späte Rehabilitation.  
1991,
fünfzig Jahre nach Abschluss ihrer einmaligen aktiven Zeit, empfing sie die krönende Anerkennung
in der Hall of Fame von New York.
Diese außergewöhnliche Ehrung für die weltbesten Sportler aller Disziplinen und Nationen ist in vielen Jahrzehnten nur wenigen Deutschen zuteil geworden.  
Der Schwarzwald hat einen wertvollen Menschen und ein großes sportliches Vorbild verloren.

 

Sie wird unvergessen bleiben.

Text aus Schneegestöber 2 –  2004

 


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